Rückblick eines Schützenkönigs ...

Da steht man nun umzingelt von sich mitfreuenden Menschen auf dem Schießplatz der St.Katharina Schützenbruderschaft und wird als neuer Schützenkönig gefeiert. Nach der ersten Freude kommen auch die ersten Bedenken: „Was kommt auf mich zu?“ „Schaffe ich das alles?“ u.s.w.

Gut, ein Jahr hat der Schützenkönig Zeit zu planen und sich mit den Schützenbrüdern- und –schwestern auszutauschen. In diesem einem Jahr – und insbesondere auch in der Endphase der Planung – war man zu keinem Zeitpunkt alleine; gemeinsam wurde organisiert, besprochen und geplant. So wurde das Schützenfest zu einem einmaligen Erlebnis, welches jeder Schützenbruder und jede Schützenschwester einmal genießen sollte. 

Am Freitag vor dem Schützenfest ging es los …. Lastwagen, Maschenzaundrähte, Leitern, Birken, Tannen, …. und unzählige Schützen tauchen vor unserem Haus auf. In Windeseile wurde unser Haus geschmückt. Meine einzige Aufgabe – als König – war die Versorgung der fleißigen Schützen.

Nachdem meine Frau Claudia und ich das Machwerk kurz bewundern konnten, mussten wir uns schon wieder frisch machen für den nächsten Termin: Die offizielle Eröffnung des Schützenfestes mit Beiern und Böllern vor der „alten“ Kirche.

Von dort ging es unter musikalischer Begleitung der Original Burgfanfaren Niederaußem zum Schützenhaus. Gemeinsam mit vielen Freunden, den Jungschützen und der kfd wurde bis tief in den nächsten Morgen das Schützenfest gesellig eingeleitet.

Der Samstag Morgen stand dann ganz im Zeichen der Abwicklung von „Restarbeiten“. Die Sitzordnung wurde festgelegt, und Details waren zu besprechen. Am späten Nachmittag wurde es dann laut auf der Alten Landstrasse. Die Trachtenkapelle aus Strasskirchen kam zu uns, um uns mit vielen anderen Schützen und dem Gefolge zur Krönungsmesse in die St.Paulus Kirche zu begleiten.

Die Krönungsmesse ist derart feierlich und ergreifend, dass ich hier schon glaubte: „…schöner kann es nicht mehr werden“. Nun bin ich auch „offiziell“ für ein Jahr König; der Repräsentant der St.Katharina Schützenbruderschaft 1444 e.V. . Den Krönungsball im Festzelt genießt man, aber man hat kaum Zeit das Bisherige zu verarbeiten.

Irgendwann zwischen Mitternacht und Sonntagsfrühstück werden wir von Da Capo herausgespielt und „kämpfen“ uns durch eine Kette von scheinbar hunderten Schützen. Zu Hause angekommen kann man lange nicht schlafen, da die Gedanken noch in der Kirche und im Festzelt sind.

Sonntag Morgen wache ich ohne Wecker auf … zu groß ist die Vorfreude auf das Kommende. Nach der Messe geht es zum Ehrendenkmal und kurz darauf findet man sich wieder im Festzelt ein. Die Jungschützen werden für ihr 50jähriges Bestehen geehrt, und auch sonst geht es recht feierlich und lustig zu. Um kurz vor 13 Uhr muss ich schnell nach Hause … umziehen. Mit den Freunden aus Strasskirchen wird gemeinsam zu Mittag gegessen, natürlich in unserer Schützenwirtschaft „Zur Traube“.

Gegen 14.15 Uhr treffen dort alle Schützen ein … und ich sehe meine Frau das erste Mal im Königinnenkleid. Was für ein Anblick. Es erinnert mich spontan an unsere Hochzeit – ein anderes, aber nicht weniger schöner schönes Gefühl.

Hatten wir vor dem ca. 5 km Festzug durch Niederaußem „Bedenken“ ob das Schuhwerk und das Wetter mitspielt, so waren wir nach dem Festzug schon fast enttäuscht, dass „alles so schnell vorbei ist“. Doch es folgte wieder ein unvergessliches Highlight : Die Parade.

Hunderte von Schützenbrüdern und –schwestern, Kapellen und Vereine zogen vorbei. Welch ein Bild.

Das anschließende Platzkonzert im Festzelt genossen wir entspannt und hatten viele Gelegenheiten die vergangenen Stunden mit den Freunden und Schützen zu besprechen. Spät in der Nacht spielte man uns dann wieder aus dem Zelt.

Fit, aber doch etwas wehmütig, weil schon fast alles vorbei ist, ging es dann am Montag Morgen zur Kirche. Nach der Gemeinschaftsmesse marschierten wir alle ins Schützenhaus zum gemeinsamen Frühstück.

Ergreifend, wie Hans Rath hier für seine langjährige Tätigkeit geehrt wurde.

Begleitet von den Straßkirchenern Musikanten erlebten wir auch hier wieder wunderschöne Stunden. Auch der Brudermeister Norbert Kern spielte auf. Es wurde gefeiert, gelacht und erzählt.

Am Nachmittag stand das Königsvogelschießen auf dem Plan. Wie schon vor 2 Jahren bei seiner Frau Loni, so fiel auch bei Josef Schneider nach dem 23. Schuss der Vogel. Der neue Schützenkönig stand fest.

Natürlich, meine Frau Claudia und ich sind noch ein Jahr das Königspaar und repräsentieren sehr gerne die Schützenbruderschaft auf auswärtigen Festen, aber irgendwie war doch alles vorbei.

Leider.

Auch am Montag wurde wieder bis tief in die Nacht gefeiert, ehe dann am Dienstag wiederum eine Schar von Schützen „auftauchte“, die abschmückten und alles wieder in den Urzustand versetzten. Abends sah man dann gemeinsam das EM-Spiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft, schwelgte etwas in Erinnerungen … und ging dann letztendlich müde ins Bett.

Das Gefühl am Mittwochmorgen war schon eigenartig … eine himmlische, aber doch seltsame Ruhe. Keine Blaskapelle, keine Schützen, keine Messe …. Irgendetwas fehlte uns doch….

Abschließend, aber ganz wichtig:

Ohne unsere Freunde hätten wir das Schützenfest nicht so genießen können. Unermüdlich halfen sie uns (Brötchen schmieren, Tische decken, kellnern, aufräumen, spülen, ….).  Auch die Jungschützen schienen rund um die Uhr zu helfen und trotzdem zu feiern. Vielen Dank, ihr seid großartig. Auch dem Schützenvorstand gebührt unser herzliches Danke Schön, wie auch den teilnehmenden Vereinen und der großen Zahl der Schützen (alleine 71 „Grünröcke“ nahmen am Festzug teil).

Wer ein solches Fest als König erleben durfte, wird sicherlich diese Gefühle verstehen. Wem dies nicht vergönnt war, dem kann man nur empfehlen im nächsten Jahr auf den Vogel zu schießen …

© R.Hübl